22. Januar 2025 · Heiko Braasch
In den Gründerzeitvillen von Leipzig-Gohlis oder Markkleeberg findet man sie noch: Säulen, Pilaster und Sockelzonen aus strahlendem weißem Marmor – die bei genauerem Hinsehen aus Putz und Pigmenten bestehen. Marmorimitation war die wirtschaftliche Alternative zum echten Stein, und sie wurde so perfektioniert, dass selbst Steinmetze täuschen konnten.
Die traditionelle Methode heißt Scagliola (italienisch für Gips). Sie wurde im 17. Jahrhundert in Norditalien entwickelt und fand über die Barockarchitektur Eingang in ganz Europa. Das Grundmaterial ist Alabastergips, gemischt mit Leimwasser und eingefärbten Pigmenten.
Der Prozess:
Für Wandflächen wird heute oft eine Weiterentwicklung mit Ei-Tempera-Bindemittel eingesetzt. Die Technik ist leichter zu verarbeiten als klassische Scagliola, liefert aber ähnliche optische Ergebnisse. Das Ei fungiert als Emulgator zwischen Wasser und Öl und ergibt nach dem Trocknen eine extrem harte, leuchtende Oberfläche.
Marmorimitation ist zeitintensiv. Eine Säule von 3 m Höhe und 40 cm Durchmesser dauert je nach Komplexität 2–4 Arbeitstage. Große Wandflächen oder aufwendige Aderungsmuster verlängern die Projektzeit entsprechend.
Der Aufwand lohnt sich dort, wo echter Marmor statisch nicht machbar, zu schwer oder schlicht zu teuer ist – und wo repräsentative Innenräume eine edle Materialanmutung verlangen. In Restaurierungsprojekten ist Marmorimitation oft die einzige denkmalkonforme Möglichkeit, historische Originaloberflächen zu erhalten oder zu ersetzen.
Unser Geselle Otto ist auf diese Technik spezialisiert und hat sie unter anderem in mehreren denkmalgeschützten Villen in Gohlis und Markkleeberg ausgeführt.
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