Renovierung in Altbauwohnungen: Worauf Handwerker achten müssen

Renovierung in Altbauwohnungen: Worauf Handwerker achten müssen

08. Januar 2025 · Heiko Braasch

Wer in einer Gründerzeitwohnung in Leipzig-Gohlis oder der Südvorstadt renoviert, arbeitet an einem Objekt, das in manchen Räumen noch Originalputz aus dem Jahr 1905 trägt. Das hat Konsequenzen für Materialwahl, Untergrundvorbereitung und den Umgang mit potenziell problematischen Altsubstanzen.

Kalkputz: Kein Dispersionsmittel

Historischer Kalkputz ist diffusionsoffen – er lässt Wasserdampf hindurch und reguliert so das Raumklima. Wird er mit einer modernen Dispersionsfarbe versiegelt, staut sich Feuchte hinter der Schicht, und der Putz beginnt früher oder später zu schiefern.

Die Regel: Kalk auf Kalk. Historische Kalkputze werden mit mineralischen Farben (Kalkfarbe, Silikatfarbe) gestrichen. Silikatfarben (z. B. Keim Granital) sind die modernste Lösung: diffusionsoffen, alkalisch genug um Schimmelwachstum zu hemmen, und langlebig.

Bleimennige und Bleiweißfarben: Schutzmaßnahmen erforderlich

In Wohnungen, die vor 1950 gebaut und seitdem nicht grundsaniert wurden, können Altanstriche Bleipigmente (Bleimennige, Bleiweiß) enthalten. Diese sind gesundheitsgefährdend, wenn sie eingeatemte werden – also beim Schleifen oder Abbeizen.

Vor Schleifarbeiten an alten Fenstern, Türen oder Holzwerkteilen empfehlen wir eine Probeentnahme. Wenn Blei nachgewiesen wird, arbeiten wir mit Feuchtziehtechnik und Atemschutz gemäß TRGS 505.

Stuckverzierungen: Vorsicht beim Übermalen

Historische Stuckdecken, Rosetten und Friese werden durch zu viele Lackschichten „eingemauert”. Der plastische Charakter geht verloren, Details werden weich und undeutlich.

Wenn möglich, sollten alte Farbschichten vorsichtig abgetragen werden, bevor eine neue Schicht aufgetragen wird. Bei wertvollen Stuckobjekten empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Restaurator.

Holzböden und Schutz während der Arbeit

Dielenböden aus massiver Kiefer oder Eiche, wie sie in vielen Altbauwohnungen vorhanden sind, reagieren empfindlich auf Farbspritzer und Schleifstaub. Wir legen bei Altbauaufträgen standardmäßig zweilagige Schutzabdeckungen aus: zuerst Kraftpapier, dann Baumwollfließ. Das ist aufwendiger als dünne PE-Folie, verhindert aber Kondensation unter der Abdeckung – ein klassischer Schaden bei Folienabdeckungen über Massivholzböden.

Altbauten brauchen Handwerker, die ihre Geschichte kennen. Wenn Sie unsicher sind, welche Materialien in Ihrer Wohnung verbaut sind, fragen Sie uns – wir klären das gerne im Rahmen der Besichtigung.

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